Das Konzept der Projektgruppe 1/2


Warum geht es in Deutschland mit dem Golfsport so schleppend voran? Diese Frage beschäftigt nicht nur ganze Arbeitsgruppen beim DGV. Natürlich werden von der strukturgebenden Seite Werbekampagnen mit Golferlebnistagen  ins  Rennen geschickt. Die Zuwachszahlen sind offensichtlich da,  jedoch in einem sehr bescheidenen Maße. Immer noch müssen Anlagen um Ihre Existenz kämpfen. Golf ist trotz der Bemühungen in Deutschland immer noch nicht da angekommen, wo es theoretisch stehen könnte.

 

 

Sich immer auf die Möglichkeiten in anderen Ländern zu berufen ist nicht besonders schlau.  Äpfel und Birnen – Prinzip! Deutschland hat nun mal keine adäquate Golfstruktur oder-kultur vorzuweisen wie beispielsweise Großbritannien oder die USA. Der wichtige Entwicklungszeitraum zwischen den 50er und 80er Jahren wurde in Deutschland nicht genutzt. Analog zum deutschen bürokratischen Staatssystem fanden vergleichbar wenige Golfer eine eher elitäre Heimat als die Begriffe Marktentwicklung und Marketing nichts im deutschen Golfsport verloren  hatten.  Die Versäumnisse haben sich in den Köpfen von Golfern und Nicht-Golfern eingebrannt.

 

 

Die Folge war, dass sich der ganze deutsche Golfapparat zu dem entwickelte, was heute beschwerlich aufzuholen ist. Golf ist trotz VCG und Co. noch nicht in der Bevölkerung angekommen und mit Maßnahmen wie dem „Lebenshandicap“  wird nunmehr versucht, den Golfsport attraktiver zu machen. Dass diese Maßnahme greift, darf stark bezweifelt werden, denn noch immer sind es unterschiedliche Probleme, die zusammen genommen, den Golfsport in Deutschland mehr blockieren als notwendig.

 

 

Welche Ansatzpunkte hat man also nun? Der private Einsatz und das Engagement in Richtung  „Golfmentoring“  zeigt viele Ansatzpunkte auf, die bei der nicht-golfenden  Bevölkerungsschicht zu erkennen sind. Denkbar schlechte Information und Einstiegsvoraussetzungen hindern einen Nicht-Golfer, sich dem Golfsport zu nähern und zu einem Golfer zu werden. Ungünstige Rahmenbedingungen wie der zeitliche oder finanzielle Aspekt vermengen sich mit einer noch vielerorts negativen Willkommenskultur. Anlagen kämpfen gegen die demografische Entwicklung an und kommen in finanzielle Nöte, die entweder  Stillstand in der Anlagenentwicklung oder Bedrohung der Existenzgrundlage bedeutet.

 

 

Als mich Fabian Bünker dazu anregte, das Potential des Golfmentorings auszubauen, versuchte ich erst mal die Strukturen in Golfdeutschland grafisch darzustellen und Aufgaben, Verbindungen und Möglichkeiten in Relation zu setzen. Zusammen mit den Erfahrungen aus den Clubs, über Kontakte und dem Golfmentoring wurden schnell Verhältnisse und Ansatzpunkte deutlich. Da man natürlich begrenzte Möglichkeiten hat, den stukturgebenden Institutionen wie DGV oder PGA mal eben etwas zu bewegen wurde immer deutlicher, dass die Selbstverantwortung der Anlagen einen wichtigen Part in diesem komplexen Gebilde übernimmt.

 

 

Die Feststellung wurde durch den Vergleich von gut oder schlecht laufenden Anlagen bestärkt. Man konnte auch nicht feststellen, dass es nur die professionellen Betreiber sind, die eine Anlage gut und erfolgreich führen. Auch gute ehrenamtliche Arbeit zahlte sich bei erfolgreich laufenden Clubs aus. Anders herum, war bei schlechter laufenden Anlagen auch logischerweise schlechtere Arbeit zu erkennen. Hier hatten Leute einfach ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Wäre es nicht schön, wenn alle Anlagen, egal in welcher Konstellation nicht ihr eigenes Optimum erreichen könnten?

 

 

Eine Fiktion:  Alle deutschen Golfanlagen optimieren sich nach dem Motto „all buisness is local“  und stellen sich dem  evtl. Konkurrenzkampf, der in bestimmten Ballungsräumen  oft angenommen werden muss. Die Bemühungen werden von DGV und sekundär PGA unterstützt und die Zuwachszahlen steigen überproportional. Anlagen sichern Ihre Existenzen, optimieren sich  und aus den gesamtdeutschen Bemühungen und verbesserten Möglichkeiten entspringen mehr Talente, die es in die Weltspitze schaffen. Das auch mittels Medien, Aktionen und veränderten Möglichkeiten  geschaffene neue Gesicht des Golfsport wird verbreitet und in der Bevölkerung  verändert wahrgenommen. Golf wird verbreiteter Trendsport in findet auch im Free-TV mehr Beachtung, welches sich positiv auch die Nachfrage auswirkt. Die Wahrnehmung und Kultur verändert sich langsam in die richtige Richtung. Theoretische Ergüsse sind schön, oder?

 

 

Was war also zu tun und wie konnte man es angehen? Fabian und ich gründeten die Golfmentor-Projektgruppe, mit dem Ziel, eine Art gesamtheitliche Schablone mit Handlungsempfehlungen zu kreieren, die Anlagen einsetzen konnten, um sich selbst zu optimieren, sprich Ihre Hausaufgaben zu machen. Was hilft es einer Anlage, immer auf den DGV zu schimpfen und von dort auf erlösende Maßnahmen zu warten? Der DGV kann, außer mit den geplanten Beratungen, einer Anlage nicht direkt für ein oftmals lokales Problem einstehen. Also wurde diese Schablone auf Basis der  Golfmentoren in eine logische und Erfolg versprechende Systematik konstruiert.

 

 

Für die Inhalte gab es bereits eine Vielzahl von Ansatzpunkten. Befreundete Experten der Golfszene wurden zu den speziellen  Punkten um Ihre Einschätzung und Zusammenarbeit  gebeten. Zusammen entwickelte sich nach und nach das Konzept der Projektgruppe, welches von den Anlagen als Schablone selbst und individuell genutzt werden kann. Änderungen, kann man nicht herbeizaubern. Es ist seitens der Anlagen und Clubs  ein hohes Maß  an Bereitschaft zur Veränderung notwendig.  Dies bedeutet unter anderem auch Arbeit auf allen Ebenen. Vorstände, Betreiber, Golfer und sonstige Beteiligte müssen an einem Strang ziehen, um erst mal die eigene Anlage auf Vordermann zu bringen.

 

 

Golfdeutschland kann sich nicht verändern, wenn lokal nicht die Voraussetzungen geschaffen wurden. Wie das gemeint ist? Man stelle sich z.B. eine Person vor, die im TV den Werbespot des DGV gesehen hat und sich (und das ist schon hochgestochen) nach einer Möglichkeit umsieht, sich dem Sport zu nähern. Uneinladende und wenig informative Gestaltung der Homepage oder allgemeinen Willkommenskultur, sowie unattraktive Möglichkeiten lassen den  Gedanken sofort im Keim ersticken. Mit etwas Einsatz der Golfmentoren können die bestehenden Hindernisse auch aus psychologischer Sicht wesentlich besser überwunden werden. Eine Anlage die vorbereitet ist, neue Golfer interessieren möchte und gute, flexible Angebote hat, wird diese Personengruppe eher an sich binden können und aus einem Nicht-Golfer einen Golfer machen.

 

 

Vieles scheitert auf den Anlagen bereits an den Eingangsvoraussetzungen und dies kann durch das Konzept der Projektgruppe wesentlich optimiert werden. Welche Bereiche und mit welchen Beispielen das genau funktioniert, erfahrt ihr im zweiten Teil, in ein paar Tagen.  Bis dahin, bleibt am Ball!

 

Cheers, Carsten