Trash talk


Seid Ihr in den einschlägigen Facebook-Golf-Foren unterwegs? Wenn ja, seid Ihr schon dran  vorbei gekommen! Der Trash Talk hat Einzug gehalten und es scheint in Zeiten der Toleranz mal wieder gesellschaftsfähig zu sein. Leben und Leben lassen ist eine sehr weise und menschliche Einstellung, die einem jedoch von Zeit zu Zeit höchst schwer fällt.

 

Man braucht kein Diplom-Psychologe oder –Soziologe  sein, der nahezu täglich den unterschiedlichsten Golf-Trash-Talk als neues Futter vorgesetzt bekommt. Na klar, wir Golfer sind prinzipiell alle OK und die komischen Vögel gibt es überall; schließlich hat man aber den Eindruck, dass es vermehrt nicht mehr um die Sache geht, sondern immer mehr zur golfenden Selbsthilfegruppe verkommt.

 

Der Sinn eines Austausches ist klar. Normalerweise müsste jedem Forenmitglied bewusst sein, dass das jeweilige Verhalten nachhaltig das eigene Image prägt. Mit normaler Denkweise kommt man aber nicht mehr im deutschen Internet weiter. Immer schwerer wird es Information von Trash zu trennen. Das ist easy, meint Ihr? Was ist aber,  wenn die egozentrischen Reizüberflutungen der Sparte so überhand nehmen, dass es langsam schwer fällt die Nadel im Heuhaufen zu finden? Die Suche nach „vernünftiger“ Information und Unterhaltung macht mich jedenfalls  zunehmend mürbe. Wieso? Was hat er denn?

 

Immer die gleichen Strategen scheinen mit ihren Postings das Forum krampfhaft unterhalten zu wollen. Es wird mittlerweile jede Runde und jedes Ergebnis mitgeteilt bzw. in einer Scorekarte dargestellt. Fadenscheinig regt man sich bei einer ordentlichen Runde über das Doppelbogey auf, als ob man dadurch die US Open verloren hätte. Das  „Fishing for Compliments“  hat in der Masse den allgemeinen, sachlichen aber lockeren Erfahrungsaustausch abgelöst.

 

Jeder kann sich ungehindert und halbwegs anonym als Experte hinstellen, mit Fachausdrücken um sich werfen und den Lesern immer wieder „seine Sicht“ zu einfach allen Themen aufdrücken.  Die demütige Art des Gentlemansport  (gilt auch für Frauen), die wir als Experten auf den Grüns fordern (und dabei trotzdem locker bleiben) ist im Forum leider nicht mehr vorhanden. Egal ob das Thema berührt oder nicht – es muss raus, koste es was es wolle. Bei einigen sogar mehrfach und penetrant das Gleiche, damit die anderen es auch ja mitbekommen, was man für ein toller Hecht ist.  Einige Frauen schließen sich diesen Reflexpostings in gleicher Art und Weise an. Schnell möglichst als Erste/r irgendetwas dazu beitragen; man gehört ja schließlich dazu.    

 

Mit etwas Menschenkenntnis, die ja ein jeder sein Eigen nennen möchte, lassen sich in allen Gruppierungen Soziogramme erstellen. So auch hier. Zunächst finden sich immer Leute, die den Part des Clowns oder des Rebellen abgeben.  Auch Besserwisser, Alles-Kenner, der Nichtswisser,   Super-Spieler – einfach alles ist vertreten. Meist sind es dieselben, die häufig vom Thema abkommen und das Forum zum Stammtisch werden lassen. Man ist ja gut drauf und steht für die moderne Spezies eines Golfers, der das angestaubte Image in dieser Art abschütteln will. Feuer frei!

 

Vielleicht fühlen sich die meisten Menschen in den Foren gut aufgehoben.  Ich überlege immer öfter, ob ich auf den teilweise dargebotenen –Selbstbeweihräucherungsquatsch- nicht lieber verzichten möchte. Derzeit bin ich ja selber schuld und tue mir das freiwillig an. Zu selten sind (für mich persönlich) aber „angenehme“ Einträge oder Kommentare zu lesen. Weniger ist oft mehr und das gilt nicht für alle. Nun ja, vielleicht übe ich mich erst einmal weiter in bedingungsloser Toleranz. Als selbstauferlegte Aufgabe sozusagen! Ooohhhmmm......  Cheers, Carsten