Zählspiel und Matchplay. 1/2

Zählspiel und Matchplay. Teil 1.

 

 

Spielt Ihr gerne Zählspiel und Matchplay? Ich liebe Matchplay. Mann gegen Mann (oder Frau) oder Team gegen Team! Matchplay gibt den Blick auf die früher praktizierte Art, Golf zu spielen frei. Damit sind nicht die 80er oder 90er Jahre gemeint! Man hätte damals mal vorschlagen müssen, die erste Open Championship in Prestwick nach Stableford etc. auszuspielen. Man wäre vermutlich vom zerfurchten Spielfeld gejagt worden und hätte die Federn der Golfbälle aus Alan Robertsons Werkstatt schlucken müssen.

 

 

Aber Scherz beiseite, Stableford wurde auch erst viel später durch den gleichnamigen Doktor in die Golfwelt eingeführt. Auch wenn es hier zu Lande sehr populär  ist und Vorteile hat, die bei Turnieren nicht von der Hand zu weisen sind, gehört mein Herz dem Zählspiel und dem Matchplay.

 

 

Das Zählspiel erscheint, wenn einem vielleicht unter einer gewissen Spielstärke als zu schwer, weil man ja jede Bahn zu Ende spielen muss. Keine Erleichterungen durch mögliche Striche nach Stableford und der bloßen Verteilung der Punkte, die das Ergebnis und einen möglichen Sieger offenbaren. Man kommt in Turnieren schneller durch, weil man den Ball aufheben soll, wenn man keine Punkte erzielt. Ob man das macht ist eine andere Sache. Stableford birgt in meinen Augen eine nicht zu unterschätzende Gefahr für das eigene Golfspiel.  Der Focus und die Konzentration beim Zählspiel müssen immer auf den einzelnen Schlag gerichtet werden. Jeder Schlag zählt. Ob die Bahn unter Par, mit Bogey oder sogar mit dem schönen Wort Quatruplebogey beendet. Es wird auf der (wenn auch imaginären) Scorekarte festgehalten.

 

 

Beim Stableford-Modus verlernt man zu kämpfen, auch wenn man in einer bescheidenen Lage ist.  Man akzeptiert schnell Striche, weil es sowieso nichts mehr bringt. Oft steht man in der  Situation und rechnet parallel nach Punkten mit, wenn etwas schief gegangen ist. Man setzt sich selber unter Druck, weil man nun Hop oder Top spielen muss, um noch einen Punkt zu ergattern. Einige kommen damit klar – andere eher weniger.  Gerade in Trainings- und Freizeitrunden hilft das Zählspiel, sich zu verbessern. Man zwingt sich im Unterbewusstsein klüger und taktischer zu spielen und die Entscheidungen zu treffen, die jeden Ball mit möglichst wenig Schlägen ins Loch befördern. Frustration sollte bei hohen Ergebnissen  nicht aufkommen. Sie sind meist Ursache von Folgefehlern, weil wir nach einem Fehler die falsche Entscheidung getroffen haben. Man möchte oft seinen Fehler mit erhöhtem Risiko wieder ausbügeln und das geht zu oft  in die Hose.  Wer sich selbst mit Zählspiel trainiert, verliert auch Angst oder Nervosität, wenn aus dem bequemen Stablefordmodus. Zählspiel zwingt einen wieder mehr, die wichtigen Elemente des Golfspiels in die Kopfarbeit aufzunehmen. Grenzen, Hindernisse, Hemmnisse, Regeln  und Layout der Anlage auf der einen, Wetter und Tagesform auf der anderen Seite.

 

 

 

Wir tun gut daran, auch kurze Putts sich nicht selbst zu schenken, sondern zu Ende zu spielen. Wir tun gut daran, den Sinn des Zählspiels zu verinnerlichen, wenn der Ball mit  möglichst  wenig Schlägen  vom Tee ins Loch befördert werden soll. All das hilft der Entwicklung unseres Spiels. Stableford (so finde ich) macht es einem zu bequem – und das wird sich langfristig nicht positiv umsetzen lassen. Wie gesagt, es hat sicher für die Beschleunigung des Spiels bei Turnieren Vorteile, aber mir ist die Entwicklung und Auseinandersetzung mit meinem persönlichen spiel wichtiger.

 

 

Deshalb gibt es für mich nur Zählspiel bei Trainingsrunden und ab und an Matchplay, dazu aber mehr im 2. Teil ;-) Cheers, Carsten             

 


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Kommentare: 1
  • #1

    rebel (Montag, 01 Februar 2016 14:39)

    Hallo,
    ich finde ein schönes und vor allem Aussagekräftiges Plädoyer für Zählspiel und Matchplay. Leider lernen es Neueinsteiger nicht und verstehen den Sinn dann leider gar nicht.
    Ich bin für mehr Zählspiel und werde deinen Beitrag weiter teilen.

    bis denne
    rebel